Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einem auffallen. Heute war es ein kleiner Punkt, der mir wieder einmal gezeigt hat, dass es beim Abnabelungsprozess von Techkonzernen auf kleine Details ankommen kann.

Die Vorgeschichte

Vor kurzem stolperte ich auf YouTube auf das folgende Video von DeviantOllam: Turn Off This AI Crap. Falls man das Video gerade nicht schauen will: Thema sind die “Smart Features” welche Google in sein Gmail einbaut, und wofür die Inhalte der E-Mails gescannt werden. In einigen Regionen anscheinend auch, ohne die Anwender:innen darüber zu informieren. Doch darauf will ich hier nicht weiter eingehen.

Auf jeden Fall war es wieder einmal ein Anstoss, meine Abhängigkeit von Google zu reduzieren. Meine E-Mail-Verwendung hatte ich schon begonnen von Google auf eigene Domains zu migrieren. Was aber noch fix bei Google ist, ist mein Terminkalender und meine Kontakte. Im Gegensatz zu E-Mail, bietet mein Hoster1 keine einfache Lösung, auf welche ich ohne Aufwand wechseln könnte. Aber nicht verzagen, der Blog2 von cyon selbst, bot die Lösung: Baïkal

Google?

Die Installation war einfach und schnell, und zunehmend kann ich nun meine Daten darauf migrieren. Als ich jetzt an meine Kontakte ging, fiel mir auf, dass der Export von Google Contacts augenscheinlich Kontaktbilder enthielt, obwohl enthaltende Kontakte auf dem Server kleiner als 1 kB sind. Das machte mich doch stutzig, und ich warf einen Blick in einen der Kontakte mit Foto und sah das Problem:

BEGIN:VCARD
VERSION:3.0
N:Normalverbraucher;Otto;;;
BDAY;VALUE=DATE:19700101
PHOTO:https://lh3.googleusercontent.com/contacts/AG6t...xB3
UID:c18937ac-e16c-4a1c-874d-148e18501f88
END:VCARD

Das Foto ist—sinnvollerweise—nicht direkt in der VCARD integriert und wird auf Baïkal auch nicht gespeichert. Der Link zum Google-Dienst bleibt bestehen und jedes Mal, wenn der Kontakt mit Foto angezeigt wird (und das Bild nicht mehr oder nicht schon gecached ist), wird wieder diese Datei heruntergeladen.

Dies ist natürlich nicht so informativ für Google wie wenn der ganze Kontakt dort gespeichert wäre, aber es kann immer noch als Signal gewertet werden. Auch hat Google die Informationen zum Kontakt noch—dieser wurde ja mal verbunden damit hochgeladen. Entsprechend ist das Verschieben der Kontakte zu Baïkal nur begrenzt effektiv, falls man diese Verbindung noch bestehen lässt.

Was nun?

Als ersten Schritt habe ich diese Verbindung zu Google gekappt. Ein bisschen Python-Code, um den VCF-Export vom Foto-Link zu bereinigen, damit man dann eine “saubere” Version importieren kann. In diesem Parsing-Schritt habe ich auch noch alle Thumbnails heruntergeladen, damit ich die Bilder noch verwenden kann, falls ich sie mal brauche.

Das heisst natürlich auch, dass Kontakte, welche ich in Zukunft synchronisiere, nicht mehr automatisch ein zugehöriges Profilfoto erhalten. Dies werde ich fortan manuell nachpflegen müssen, falls ich dies dann auch brauche. Vielleicht gibt es auch automatisierte Lösungen, diese habe ich aber bis jetzt weder gesucht noch gefunden. Ein Ansatz könnte jedoch sein, dass Bild direkt in den Kontakt zu kodieren. Laut dem vCard Wikipediaartikel sollte das möglich sein. Vielleicht probiere ich das mal aus.

Lohnt sich das Ganze?

Für mich? Ja. Macht es mich sicherer, privater, effizienter? Vielleicht, aber es ist auf jeden Fall ein Schritt zu mehr Kontrolle über die eigenen Daten. Ob Google die Signale der Profilbild-Abfragen verwendet, kann ich nicht sagen. Aber wenn man bedenkt, in welchem Geschäft sich Google bewegt und auf welch kreative Arten Datenquellen erschliesst, würde es mich nicht verwundern.

Was mich ein wenig erstaunt hat, ist, dass keine der Anleitungen, welche ich zur Migration von Google auf Baïkal angeschaut habe, auf diese Verlinkung hingewiesen hat.